Heiße Sommer

Der Parkplatz vor dem Haus strahlt die Hitze die er von der Sonne aufnimmt gleichmäßig wieder ab. Es gibt keine Stelle wo man sich abkühlen könnte und die Sonne brennt runter auf die Betonplatten die den Gehweg bilden. Die 11-Geschosser rechts von unserer Wohnung bilden einen wunderbaren Windschutz, was man daran merkt, dass so gut wie kein Lüftchen weht. Auf dem Stück Rasen das die Beete vor unserem Block darstellt sitzen alte Frauen in Campingstühlen und sonnen sich. Sie reden miteinander über dies und das und schauen dabei zu wie die Leute vorbeilaufen. Auf dem Parkplatz bastelt ein dicker Mann an seinem Trabbi und lässt dabei immer wieder den Motor aufjaulen. "Das bekommt der doch eh nicht hin." sagt Michael. Er läuft neben mir. Genauso wie Torsten und Marcel. Wir haben uns schon den ganzen Nachmittag gelangweilt und wussten nicht wirklich was mit uns anzufangen. Das nächste Schwimmbad war ein paar Stationen mit dem Bus entfernt, und kostete auch noch Geld. An den Kaulsdorfer See durften wir nicht alleine fahren und so nutzten wir halt die Spielmöglichkeiten die der Spielplatz Randbezirk so zu bieten hatte. Ok, eigentlich waren das ja ein paar Klettergerüste aus Metall und ein paar Tischtennisplatten aus Beton, aber das war eher was für die Langweiler. Und das wollten wir nun wirklich nicht sein.

Also gingen wir in Richtung der 11-Geschosser und beschlossen ein wenig mit dem Fahrstuhl hoch und runter zu fahren. Klingt nicht gerade spannend, wird es aber durch die Hausgemeinschaften die zu dieser Zeit üblich wahren. Jeder kannte jeden, und alle passten darauf auf, dass im Haus alles ordentlich abläuft. Da keiner von uns in diesem Haus wohnte, bestand immer die latente Gefahr von irgendeinem miesepetrigen alten Knacker oder einer keifenden Oma aus dem Haus geschmissen zu werden mit der Drohung das nächste mal an den Ohren zu den Eltern nach Hause geschleift zu werden. Zwar konnten zumindest Michael und ich die Ausrede "Wir wollen zu Susanne!" (einer Klassenkameradin) anbringen, aber das wurde einem selten geglaubt wenn man das dritte mal im Fahrstuhl gesehen wurde. Am Eingang angekommen entdeckte Michael in einer Ecke eine alte Plastiktüte die dort relativ motivationslos rumstand und um die sich scheinbar keiner kümmerte. Gefüllt war sie großteils mit Abfällen und oben drauf lag eine Pappschachtel mit Eiern. Das Haltbarkeitsdatum war schon leicht überschritten und der Geruch der einem entgegen stömte, bewies das der Inhalt sich diesmal auch an das Haltbarkeitsdatum gehalten hatte.

Nachdem wir eins der Eier im Fahrstuhl deponiert hatten, drückten wir auf den Knopf für das letzte Stockwerk und hofften das Unterwegs niemand zusteigen will. Glücklicherweise wollte das auch niemand und so gelangten wir ungesehen ins oberste Stockwerk. Die Treppe zum Dach, wo auch der Wartungsraum für den Fahrstuhl ist, bestand aus Metall. Sie ging ziemlich steil nach oben und am Ende war eine dicke Tür, ebenfalls aus Metall, die so gut wie immer abgeschlossen war. Nur an diesem Tag nicht. Die Tür war nur angelehnt, und so schauten wir erst vorsichtig raus, um anschließend aufs Dach zu schleichen und zu schaun was es da wohl zu entdecken gäbe. Eine große leere Fläche mit dem Betriebshaus für den Fahrstuhl in der Mitte und ein paar von den Kuppeln, in denen sich die Propeller für die Lüftung drehten erwartete uns. Wir gingen vorsichtig zum Rand des Daches, das von einer ca. 0,5 m hohen Mauer umgeben war. Zuerst spuckten wir nur runter, zumindest so lange, bis uns die Eier wieder einfielen die Michael die ganze Zeit mitgeschleppt hatte. Die Menschen unten auf dem Weg wirkten ziemlich klein und die Aussicht über die Gegend war auch nicht das interessanteste. Also machten wir uns daran Zielübungen zu machen. Es ist garnicht so einfach aus dieser Höhe sich bewegende "Ziele" zu treffen. Keines der Eier erwischte (im nachhinhein betrachtet: Zum Glück) einen der vielen kleinen Menschen dort unten. Sie gaben nur ein interessantes Muster auf dem Gehweg.

Plötzlich hörten wir hinter uns ein lautes "Was zum Teufel macht ihr hier oben". Erschreckt drehten wir uns um und sahen den Hausmeister auf uns zukommen. Nun waren die 11-Geschosser ein zusammenhängender Block, und da der Hausmeister uns den Weg in Richtung Eingang versperrte, rannten wir ohne nachzudenken los und suchten unser Heil in der Flucht. Heute würde ich nicht mehr rennen, schon aus dem Grund, weil ungefähr in der Mitte des Blocks eine etwa 1 Meter breite Kluft war, wo sich der Block leicht knickte die heute schon aus psychologischen Überlegungen ein fast unüberwindliches Hindernis für mich darstellen würde. Ok, es ist nur nen Meter, aber was ist wenn man abrutscht oder stolpert? Man denkt einfach zu viel als Erwachsener.

Damals dachten wir jedoch nicht nach, sondern sprangen einfach über diese Lücke hinweg, waren wir doch schon oft weiter gehüpft als diese kleine Entfernung. Der Hausmeister war jedoch schon wesentlich mehr am denken als wir, und so blieb er unschlüssig stehen um dann umzudrehen und sich zum Eingang zurückzubewegen. Nun standen wir also auf der anderen Seite des Blocks und wussten nicht was wir machen sollten. Der Hausmeister war sicher schon auf dem Weg zur Aufgangstür vom anderen Haus, und würde früher oder später dort auftauchen. Ein Plan musste her. Auf einmal zeigte Marcel auf die Eingangstür durch die wir gekommen waren. "Hey die steht noch offen. Der hat die nit zugemacht!" schrie er. Ohne lange zu überlegen sprangen wir wieder auf die andere Seite und gingen vorsichtig auf die Tür zu, jederzeit fluchtbereit falls uns der Hausmeister eine Falle stellen wollte. Das das ganze für den Hausmeister kein Fangespiel war sondern bitterer Ernst, und er einfach nur aus Eile die Tür nit zugemacht hatte kam uns damals garnit in den Sinn. Wir schauten vorsichtig in den Hausflur rein, und hörten den Fahrstuhl nach unten fahren. Also schlichen wir die Treppe runter und begannen durch den Verbindungstunnel im 9ten Stockwerk durch den gesamten Block zu rennen um auch ja nicht gesehen zu werden wie wir unten den Eingang verlassen. Glücklich der "Gefangennahme" entronnen beschlossen wir das das genug Aufregung für einen Tag gewesen wäre und das es an der Zeit ist mal Zuhause vorbeizuschauen was es denn so zum Abendbrot geben könnte. Beim Abschied sagte Michael noch "Hinten an der Schule gibts ne Baustelle. Morgen mal anschauen gehen?" Ich nickte nur und lief los.
Paulaline - 25. Jan, 09:29

Tolle Geschichte.
Eines dieser Sachen, an die man sich immer gerne erinnert.

Legatus - 25. Jan, 15:38

An einige Sachen aus der Kindheit erinnert man sich glaube immer gern ^^ War echt nen Abenteuer damals...
nimitz - 25. Jan, 10:36

interessante geschichte ...

und bestimmt unvergesslich.

schon gut zu wissen, dass kinder einen schutzengel haben, ansonsten sorgt man noch im nachhinein für einen späten infarkt bei den erzeugern ^^

Legatus - 25. Jan, 15:38

Ach, die Erzeuger kommen damit schon klar...waren ja auch schließlich bisher robust genug mich die ganze Zeit zu ertragen ;)

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