Die Vergessenen

Im letzten Stern war ein Beitrag über die deutschen Soldaten im Ausland. Genauer gesagt, über 94 deutsche Soldaten die bei Auslandseinsätzen gestorben sind. Man kann von diesen Einsätzen halten was man will. Fakt ist jedoch, dass der Bundestag damals beschlossen hat das Deutschland an solchen Einsätzen teilnimmt, und unsere Soldaten in Kriesengebiete auf dieser Welt geschickt hat. Dabei sind in den letzten Jahren 94 Soldaten gestorben. Bei den Amis und den Engländern ist es von jeher Tradition, dass im Kampf gefallenen Soldaten mit Namen und Foto gedacht wird. Es gibt Internetseiten, Denkmäler mit Namen an öffentlichen Plätzen und es gibt die Soldatenfriedhöfe einschließlich nationaler Gedenktage.

In Deutschland sieht das anders aus. Hier werden getötete Soldaten mehr oder weniger still und leise nach Hause verfrachtet. Die offiziellen Stellen in Deutschland geben nichtmal auf Anfrage die Namen und Bilder der getöteten Soldaten frei und das einzige Denkmal das geplant ist um diesen Soldaten zu gedenken soll in einem geschlossenen Teil eines Ministeriums aufgestellt werden. Der Bundestag wahrt Stillschweigen und es wird alles versucht, dass die Presse möglichst keinen Wind von neuen Todesopfern bekommt.

Die Damen und Herren an der Spitze dieses Landes haben beschlossen, dass die deutschen Soldaten auch im Ausland eingesetzt werden sollen. Es gab große öffentliche Debatten darüber, es wurde diskutiert und anschließend beschlossen das Soldaten zu gehen haben. Jeder Soldat der sich für längere Zeit beim Bund verpflichtet ist sich bewusst das er ggf. auch im Ausland in einer Kriesensituation eingesetzt werden könnte. Das ist sein Beruf und das Risiko nimmt er somit bewusst auf sich. Nur das die Damen und Herren dort oben so feige sind und nicht zu den Konsequenzen ihrer Entschlüsse stehen, nämlich das so ein Soldat auch den größtmöglichen Einsatz für seine Pflichterfüllung zahlen kann, den Tod, und versuchen das alles stillschweigend zu ignorieren (es sei denn die Presse bekommt in Einzelfällen schon vorher Wind davon) oder wegzureden macht mich traurig. In anderen Ländern werden Soldaten geehrt wenn sie im Dienst für ihr Land (auch wenn dieser Dienst nicht in ihrem Land stattfand) sterben. Hier werden sie totgeschwiegen. Ist es nicht traurig das man von unseren Gefallenen meist nur über ausländische Webseiten erfährt?
DonParrot - 16. Jan, 09:23

Man darf natürlich die Frage stellen, ob jemand, dessen beruflich Aufgaben potenziell auch das Töten andere Menschen umfasst überhaupt geehrt werden sollte.

Andererseits muss man natürlich zugeben, dass die Bundeswehr momentan wirklich in erster Linie positive, humanitäre Arbeit leistet. Ich bezweifle allerdings, dass das auch so wäre, wenn sie von der politik nicht so massiv eingebremst würde.

Deshalb meine ich: Weder Ehrungen noch Denkmäler für gefallene Soldaten.

Legatus - 16. Jan, 10:25

Sicher darf man auch diese Frage stellen. Ich bin immer noch der Meinung, dass ein Soldat einen ehrbaren Beruf macht, indem er mit seinem Leben dafür Eintritt seinem Land zu dienen und ggf. auch für sein Land zu sterben. Das er dafür manchmal Menschen töten muss die dem eigenen Land feindlich gegenüberstehen gehört für mich dazu. Soldaten sind halt die, die dafür sorgen das andere ruhig schlafen und leben können. Auch wenn diese anderen ganz und garnit damit einverstanden sind. Klar wäre es besser wenn diese Welt garkeine Soldaten brauchen würde. Nur leider sind die Menschen noch lange nicht so weit das das der Fall wäre. Von daher bin ich dafür das Soldaten auch geehrt werden.
DonParrot - 16. Jan, 10:48

Ich kann Deinen Argumenten eigentlich nicht widersprechen. Auch ich bin froh, dass es Menschen gibt, die darauf achten, dass unser noch immer halbwegs demokratisches Land nicht von irgendeiner Diktatur überfallwen wird.

Andererseits sehen das die Soldaten in den Ländern wahrscheinlich ähnlich. Armeen sind halt in jeder Nation der Platz, der zu Gewalttätigkeit neigenden Menschen eine Aufgabe gibt. Drum bin ich der Ansicht, ohne all diese Schlägertypen wär der Planet besser dran.
Legatus - 16. Jan, 13:17

Nunja, nicht jeder in der Bundeswehr ist automatisch ein Schlägertyp nur weil er länger als sein Grundwehrdienst bleibt. Ich selbst war fast zwei Jahre bei dem Verein, und ich bin das absolute Gegenteil von einem Schlägertypen. Klar gibt es auch die typischen Schläger beim Bund. Aber genauso gibts auch die Intelektuellen, die Außenseiter, die Prolls und die Familienväter. Alle über einen Kamm scheren bringts auch beim Bund nit. Der Planet wäre ohne Schlägertypen auf jeden Fall besser dran. Nur das es diese Typen überall gibt. Auch ein Grund warum man klar denkende Köpfe in den Führungspositionen beim Bund findet. Die Schlägertypen bleiben nämlich ewig Soldat Arsch.
Burningheart - 16. Jan, 10:47

Ich finde, dass es Schwachsinn ist " für ein Land zu sterben". Was hat man davon? Weder der Soldat noch seine Frau hat was davon und das Land wird es nie erfahren, dass jemand für das Land gestorben ist. Mich regt es auf, dass es heutzutage überhaupt noch Soldaten gibt. Ich finde, dass das ein Armutszeugnis für die Menschheit ist. Wir leben schliesslich nicht mehr in der Steinzeit.

DonParrot - 16. Jan, 10:54

Naja - aber überleg die mal, wie es wäre unter einem totalitären Regime zu leben. Oder gar unter einem radikal religiösen. Grauenhaft!

Auch ich verabscheue dieses ewige Schlachten und wünschte mir, wir bräuchten keine Soldaten. Doch offensichtlich sind wir Menschen eben doch noch nicht so weit von unseren Steinzeit-Vorfahren entfernt.
Legatus - 16. Jan, 13:18

@ Burningheart

Klar ist es schlimm das man heutzutage noch Soldaten braucht. Nur Fakt ist einfach, dass man sie braucht. Wenn ein Land keine Armee hat, ist es bald kein eigenständiges Land mehr sondern eine Kolonie.
Burningheart - 16. Jan, 14:19

Eigentlich meinte ich auch damit, dass es Schwachsinn ist, dass man heutzutage noch Soldaten BRAUCHT. (Armutszeugnis für die Menschheit.)
Es gibt Internet...es gibt Europa.....es gibt eigentlich genug für alle....es könnte jeder seiner Religion nachgehen...warum muss man sich immer gegenseitig angreifen?
nimitz - 16. Jan, 12:45

ich habe den artikel auch gelesen und bin deiner meinung. wenn die soldaten schon von der regierung zu auslandseinsätzen geschickt werden, dann sollte man die toten auch mit namen und fotos ehren.

was mich betrifft, ich finde, dass soldaten für ein land im moment noch unabdingbar und wichtig sind - aber für MEIN land.
ich frage mich, was haben unsere soldaten im ausland zu suchen. das ist nicht unser krieg. deutschland ist nicht darin verwickelt und hat m.e. keinen grund, soldaten dort hinzuschicken. wenn man alle fremden streitkräfte in den krisengebieten abzieht, dann müssen sich die eigentlichen kriegsparteien auseinandersetzen. ob das bis zum ausmerzen ganzer völker geht, sollte nicht unsere sorge sein. aber vielleicht würden beide parteien ohne unterstützung von aussen - und damit meine ich auch waffen- und humanitäre hilfe - schneller zu einem ende kommen. in JEDEM fall, ob mit hilfe von aussen oder ohne, ist die zivilbevölkerung in den a... gekniffen. aber wenn ich mir manchmal die bilder im fernsehen angucke und sehe, wie frauen nach blut und rache schreien, dann kann es ja kein ende geben. und das macht mich unendlich traurig.

ps: ich bin schon seit jahren der meinung, dass deutschland eine armee von berufssoldaten haben sollte. die wüssten von vornherein, auf was sie sich einlassen, wären dementsprechend motiviert und dann auch vernünftig ausgebildet.
und kein familienvater müsste angst haben, eingezogen zu werden und evtl. ins ausland in den krieg zu müssen.

DonParrot - 16. Jan, 13:11

Eine Berufsarmee könnte sich aber auch wunderbar wieder zum Staat im Staate entwickeln. Da sammeln sich doch dann wieder die ganzen rechten Kräfte. Und ruckzuck haben wir einen Putsch an der Backe.

Alles, bloß das nicht.
Legatus - 16. Jan, 13:57

Wie gesagt, man kann sich drüber streiten ob es sinnvoll ist deutsche Soldaten ins Ausland zu schicken. Sei es zur Kooperation mit anderen Streitkräften anderer Staaten oder um humanitäre Hilfe zu leisten. Aber es ist nunmal passiert und somit ist die Diskussion darüber eher Nebensache. Denn eins ist bei der deutschen Politik doch klar...einmal beschlossene Sachen werden sehr selten wieder zurückgenommen, egal was das Volk dazu sagt. Ich tendiere auch eher dazu zu sagen "Lass die doch ihren Kram unter sich klären"...aber nun sind unsere Soldaten da unten also sollen sie auch dementsprechend geehrt werden wenn sie ihr Leben geben.

@ Donparrot
Glaub kaum das eine Berufsarmee zu einem Putsch führen würde. Dazu ist die Gewaltenteilung in Deutschland zu sehr eingefleischt und die öffentlichen Medien zu neugierig um sowas im geheimen zu Planen. Die größten Klatsch- und Informationsumschlagplätze sind was das Militär betrifft immer noch die Kasernenhöfe. Zumal man selbst um an die Waffen für den Putsch zu kommen erstmal 5 Formulare pro Kugel und Mann ausfüllen müsste....
NBerlin - 16. Jan, 16:31

Hm ist eine Ehtik Frage, durch die Kriegsgeschichte ist es anscheinend bis heute nicht erlaubt auf die eigenen gefallenen Soldaten stolz zu sein oder zu sie zu ehren. Mir fällt spontan z.B. kein Denkmal in Berlin ein das die deutschen Soldaten aus den 2. Weltkrieg ehrt. Für gefallene Soldaten von Fremdländern ja, aber nicht für die eigenen.
Nationalstolz ist hier halt bis heute nicht "In" und hatte nur bei der WM einen kurzen Freiflug.

DonParrot - 16. Jan, 17:01

Das man Soldaten nicht ehren will hat meiner Ansicht nach überhaupt nix mit fehlendem Nationalstolz respektive Patriotismus zu tun.

So sehe ich das jedenfalls. Begründung irgendwo weiter oben.
Legatus - 16. Jan, 22:44

Ich glaube zum Teil wirds auch am fehlenden Nationalstolz liegen...ja....und es ist immer wieder traurig...vor allem wenn ein ganzen Volk auf die Vergangenheit reduziert wird und vor allem sich auch immer wieder reduzieren lässt...

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