In der Nacht am Fenster sitzen, kühle Luft in den Lungen, Sterne über einem die mit ihrem Blinken und Glitzern die Sehnsucht danach schüren unter ihnen reisen zu können. Gedankenkreise ziehen langsam und ruhig ihre Bahnen, verschmelzen mit dem Blinzeln der Sterne und winden sich träge ihren Weg durch die Synapsen. Die Luft ist leise, nur ab und an unterbrochen von einem fernen Auto oder dem Knistern mit dem der Tabak verbrennt. Der Rauch drängt sich zwischen die Sterne und spielt Slalom zwischen ihnen bevor er dünner wird und irgendwann verblasst. Im Aschenbecher ein bizarrer Berg aus Asche und Filtern der langsam wächst. Nach einer Weile, egal ob sie kurz oder lang war, am Horizont ein sanftes Leuchten, fast nur ein Streich den einem die Augen spielen. Langsam wird es stärker bis sich die ersten Sonnenstrahlen in die Augen drängeln und ihre Wärme ein leichtes Kribbeln auf der Haut verursachen. Die ersten Vögel fangen an zu singen und ich, ich finde mein Lächeln wieder.
Bus und Bahn hier in Berlin. Da der Einkauf auch noch gemacht werden wollte laufe ich als in Ruhe zur Bank, hole Geld und gehe Einkaufen. Auf dem Rückweg scheint mir die Sonne ins Gesicht, im Ohr läuft Radio Fritz und Sean Kingston singt für mich "Beautiful Girl" und trifft damit meine Gedankengänge auf Anhieb. Das Lächeln will irgendwie nit aus dem Gesicht raus und derzeit ist alles einfach Einfach, obwohl es kompliziert sein sollte.
Manchmal kommt es einem so vor, als würde man in einem schlechten Film mitspielen. Nicht unbedingt in der Hauptrolle, aber doch zumindest als Nebendarsteller. Gerade an Tagen wie heute, wo ich so früh aufstehe, im Halbschlaf losfahre, an der Bushaltestelle stehe, die selben Gesichter wie seit 7 Jahren sehe und immer noch genau das Gleiche passiert wie vorher.
Die Damen streiten sich um ihre Plätze, der Busfahrer interessiert sich nicht für mein Ticket, der Weg ist genau der Selbe wie jeher und wenn ich dann unten vor der ehemaligen Arbeit stehe und der Sekretärin mit ihrem Fahrrad die Tür aufhalte ist der Spruch wie seit ewigen Zeiten der gleiche "Oh, dass ist aber nett....danke". Früher war das alles völlig ok für mich. Doch nun bin ich aus der Rolle die mir in diesem Film damals zugedacht war ausgebrochen.
Und als Zuschauer ist das ganze eher ein Horrorstreifen der mit Langeweile und immer gleichen Abläufen seinen subtilen aber mittlerweile merkbaren Schrecken verbreitet. Und wenn die Sekretärin dann nach oben verschwindet, ich den letzten Zug an meiner Zigarette mache und drüber nachdenke wie ich das 7 Jahre lang aushalten konnte, genau dann fällt mir auf was für ein stumpfes Gewöhnungstier man doch manchmal ist. Bis dann etwas passiert das einen aus dieser Bahn rauswirft und Platz für was völlig neues macht. Mag sein das mein nächster Film genauso langweilig wird wie der davor, aber das werd ich dann wohl wieder erst merken, wenn mich das nächste mal irgendwas aus der Bahn schleudert.
Ich habe mehr als 7 Jahre am Stück gearbeitet. Die längste Pause in dieser Zeit waren 3 Wochen Urlaub. Ich habe ein komplett neues EDV-System mit aufgebaut, habe mich täglich um große und kleine Probleme der Nutzer gekümmert, habe viel Papier beschrieben und war ein guter Papiermonsterbekämpfer. Ich habe jede Arbeit gemacht die man mir gegeben hat, bin viel in Deutschland rumgefahren wenn in Außenstellen mal was nit lief, habe Lehrgänge besucht wenn es nötig war und ich habe immer loyal zu meiner FIrma und meinem Chef gestanden, auch wenn mir das oftmals nicht leicht fiel. Nun bin ich seit dem 01.01.2008 als Arbeitsloser registriert. Und ich fühle mich das erste mal seit 7 Jahren wirklich entspannt. Mittlerweile verstehe ich jeden der sagt er braucht eine Auszeit. Ich hab mir meine jetzt genommen. Und langsam komme ich wieder in meinen eigenen Rhythmus.
Wenn einen das Gedankenkino nicht schlafen lässt, dass Gehirn unablässig neue Informationskaskaden sendet (egal ob erwünscht oder nicht), dann muss man etwas unternehmen. Da sich so ein Gehirn leider immer noch nicht einfach abschalten lässt, es sei denn man bevorzugt tödliche Methoden, muss man also den umgekehrten Weg gehen. Man füttert es mit Informationen. Nun liege ich hier also in meinem Bett, schaue mir eine Doku nach der anderen an und merke so langsam wie mein Gehirn zu müde wird um noch alles aufzunehmen was da so kommt. Derzeit läuft die Doku "Zwischen den Fronten - Die neuen Achsen der Macht" in der es um das Jahr 2008 geht, die Verteilung der Macht auf der Welt und in der behauptet wird, es sei die Schwäche Europas das es hier keine einheitliche Religion geben würde. Der Hedonismus sei auf dem Vormarsch, der Atheismus zu weit verbreitet und dies alles sei eine Schwäche die Europa früher oder später den Untergang bringen wird. Religionen können etwas bewegen, ja. Aber nur auf Kosten der einzelnen Menschen, meist mit durch Unterdrückung von Forschergeist und freiem Denken und sie ersticken Kreativität und Kunst. Menschen die, egal an welchen Gott, glauben sind keine schlechten Menschen oder anders. Auch sie sind kreative Forscher, Wissenschaftler und Denker. Nur wenn die Religionen staatlich verordnet und sogar unter Zwang umgesetzt werden, dann ersticken sie alles was einem Land zu Größe und Stärke verhelfen kann. Darum sehe ich die fehlende Religiösität in Europa nicht als Schwäche, sondern als Stärke. So, und nun geh ich ins Bett. Gute Nacht da draußen. Ich wünsche schöne Träume.
Die Schuhe knirschen im Schnee und hinterlassen scharf abgegrenzte Spuren die sich langsam mit dem feinen weißen Pulver füllen. Die Luft ist fast zu kalt zum Atmen und sticht in die freiliegenden Hautpartien im Gesicht. Der Weg wird nur durch ein paar lange Holzstangen markiert die aus dem Schnee ragen. Zwei oder drei Schritte von diesem Weg entfernt sinkt man schon bis zu den Hüften in tiefem Schnee ein. Die Gruppe Kinder vor einem johlt und gröhlt, bewirft sich gegenseitig mit Schnee und stapft dabei vergnügt den Weg auf den Berg nach oben. Es rieselt kleine und feine Flocken von oben und die Schritte werden automatisch langsamer. Die Stimmen von vorne werden leiser, als die gesamte Gruppe über eine kleine Kuppe wandert und hinter einem Stück Fels verschwindet. Es hört auf zu schneien, und als ich mich umdrehe sehe ich das Panorama der tschechischen Landschaft die sich vor mir ausbreitet. In der Ferne brechen erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke und zeichnen klar umrissene Spots auf Täler, Dörfer und zugefrorene Ebenen. Ich stehe schweigend da, nehme diesen Anblick in mich auf und muss fast zusammenzucken als hinter mir plötzlich eine Stimme ertönt "Na Legatus, satt gesehen?" Ich drehe mich um nicke und lächle und laufe den Weg weiter, der den Berg nach oben führt. Die intensivste Erinnerung die ich jedoch mitnehmen werde, ist dieser allgegenwärtige Duft von Schnee, der überall in der Luft liegt.
Ein laues Lüftchen weht mir um die Nase. Es hat den Duft von Frühsommerwiese. Leises Rascheln von überall her. In der Ferne rauschen die Blätter der Bäume vor sich hin und die Sonne strahlt beim aufgehen die Wolken über mir blutrot an. Langsam werden die Vögel wach und die ersten Tautropfen auf den Grashalmen fangen das Licht der Sonne ein um damit ein kleines Freudenfunkeln abzustrahlen. Ich liege in meinem Schlafsack mitten in dieser Wiese, neben meinem rechten Bein merke ich hart und metallisch mein G3 und so langsam werden mir auch die Geräusche von links und rechts bewusst, die von noch mehr schlafenden Gestalten wie mir herrühren. Ich drehe den Kopf nach links und betrachte meine Umgebung aus der Perspektive eines Käfers. Die Grashalme bilden ein undurchdringliches Dickicht, ab und an lässt sich ein kleines Tierchen blicken das schnell wieder verschwunden ist und die Tautropfen bilden kleine Linsen die Feuerfunken tief nach unten schicken und mir fast wie kleine Discokugeln vorkommen.
Ein Geräusch von rechts lässt mich meinen Kopf rumdrehen. Ich blicke auf zwei Kampfstiefel die ordentlich geschnürt sind. Die Stiefel stecken an den Füßen meines Spießes, der sich neben mich gehockt hat und mich angrinst. Leise sagt er "Morgen Legatus, langsam hoch mit ihnen und fertig machen, wir wollen bald weiter". Ich schau ihn an und frage ihn warum es heute weder Trillerpfeife noch Weckgebrüll gab. Da grinst er wieder und meint: "Wissen Sie Soldat, selbst son alter Hauptfeld wie ich erkennt, wenn ein Morgen besonders schön ist. Und schöne Morgende beginnen immer leise."
Langsam öffnet sich vor ihm die Schiebetür zum Steuerraum. Er betritt den kleinen, gedämpft beleuchteten, Raum und platziert sich vor der Steuerkonsole. Sein neuster Auftrag lautet, einen Planeten in 11 Lichtjahren Entfernung zu sondieren. Langsam und bedächtig tippt er die Zahlen auf der Steuerkonsole ein. Mit einem leichten Summen startet der Wurmlochantrieb und reisst ihn samt dem kleinen Schiff durch den Hyperraum. Kurze Zeit später ist auch das Landemanöver beendet, und langsam beginnt sich die Landeklappe des Schiffes zu öffnen. Direkt vor der Öffnung steht ein kleines, seltsam aussehendes Wesen das auf einmal zu sprechen beginnt... "Oh, hallo Herr Legatus. Das ist ja schön das sie gerade kommen. Ich wollte gerade zum Concierge runter um ihn zu fragen. Aber wo sie jetzt da sind können sie mir doch sicher mal kurz was helfen." Seufzend nicke ich, trete aus dem Fahrstuhl und laufe meiner alten Nachbarin hinterher.